Am 9. November 1989 ist der hohle Vogel Sozialismus in der DDR tot vom Baum gefallen. Wie ein Lauffeuer ging der Niedergang der Sozialistischen Staaten innerhalb eines Jahres vonstatten. Von Magdeburg bis Wladiwostok und von Rostock bis Sofia hatte die Diktatur des Proletariats aufgehört zu existieren. 

Eigentlich zeichnete sich schon in den 50er Jahren klar ab, dass der von der Sowjetunion exportierte und den Ländern des Warschauer Paktes aufgezwungene Staatssozialismus keine Chance hat, den Menschen ein besseres Leben zu garantieren als es nach dem 2. Weltkrieg in den westlichen Demokratien möglich wurde. Die Sozialistische Planwirtschaft stellte sich bald als unbeherrschbares Vehikel heraus. Politisch hatte sich der Führungsanspruch der Partei der Arbeiter und Bauernklasse schon mit der Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED 1946 ins Abseits gestellt. Eine Terrorwelle rollte durch das Land, Unternehmen wurden enteignet, Menschen massenweise in den ehemaligen Konzentrationslagern der Nazis inhaftiert und oft genug unter unmenschlichen Bedingungen ums Leben gebracht. Etwa 3 Millionen Menschen, darunter viele Unternehmer sind aus der DDR geflüchtet.

Mit der Vereinigung ehemaliger Mitglieder des Abgeordnetenhauses von Berlin e. V. waren wir am 29. Oktober in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zu einer Führung, die vom Leiter der Gedenkstätte, Dr. Hubertus Knabe, eingeleitet wurde. Unvorstellbar, was sich die Führungspartei der Arbeiter- und Bauernmacht einfallen ließ, um Menschen zu quälen und sie zu Geständnissen zu zwingen, die jeder Grundlage entbehrten.

40 Jahre lang wurde von der Staatspartei alle Jahre wieder den Menschen eingeredet, dass der Sozialismus siegt und ein nie gekannter Wohlstand über das Volk kommen wird. Bereits 1949 haben Piek und Ulbricht verkündet, dass die Betriebe verstaatlicht werden und die Gewinne der Kapitalisten dann dem ganzen Volk zur Verfügung stehen. Wie man sich doch irren kann.

Der Bau der Mauer war dann im August 1961 auch ein klares Eingeständnis, dass das System dem Wettbewerb mit der Sozialen Marktwirtschaft unterlegen war.

In den 80er Jahren zeichnete sich der Niedergang der Wirtschaft immer deutlicher ab. Die endgültige Zerschlagung der privaten Wirtschaft 1972 zeigte seine Wirkung. Viele Produkte der vormals privaten Unternehmen kamen gar nicht mehr auf den Markt. Um diese Lücke zu schließen, wurden die Volkseigenen Betriebe verpflichtet, Konsumgüter zu produzieren. Vom wirtschaftlichen Standpunkt ein gewaltiges Desaster.

Aber die Staatspartei hielt immer noch an der Aussage zum 7. Parteitag fest, den Kapitalismus zu überholen ohne einzuholen. Das war einfach Unsinn. So musste es kommen, dass die Bürger endgültig die Nase voll hatten. Mit dem Wahlbetrug aus dem Mai 1989 waren auch viele mutiger und artikulierten sich in den Betrieben und auf den Straßen klar und deutlich. Die Grenzöffnung der Ungarn und der Sturm der DDR-Jugend auf die Botschaften in Budapest, Warschau und Prag brachte den Staat ins Wanken. Die Demonstrationen in Leipzig, Plauen, Dresden und anderen Städten erschütterten die Staatsmacht bis ins Mark. Am 4. November auf dem Alex wurde mir klar, dass das nicht mehr lange dauern kann bis der Laden implodiert. Dann erfüllte sich der Traum am 9. November nach der Pressekonferenz Schabowskis. Unverzüglich war das entscheidende Wort, das die Berliner an die Grenzübergänge trieb. Danach wurde dann die schönste Nacht der Deutschen im vorigen Jahrhundert wahr. Die Mauer war gefallen.

Ist es wirklich schon 25 Jahre her? Es war eine spannende Zeit. So ein Erdrutsch muss verkraftet werden. Sowohl für die Bürger im Westen, aber vor allem für die Bürger der ehemaligen DDR. Für uns war nun fast alles neu. Aber wir sind einfach losgelaufen. Nur wer losgeht kann auch ankommen. Jetzt ist es unsere Pflicht denen zu helfen, denen es nicht so gut geht. Europa ist unsere Zukunft. Daran müssen wir arbeiten.

Genießen Sie den 9. November in dem Bewusstsein, dass wir in einem Staat leben, der reformfähig ist und unsere Zukunft sichern wird.

Ich wünsche Ihnen schöne Herbsttage.

Ihr Fritz Niedergesäß

Kreisvorsitzender

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