Bericht aus dem Abgeordnetenhaus

Liebe Mitglieder,
der 9. November 1989 ist für mich ein ganz besonderer Moment, der mich auch 25 Jahre später noch tief bewegt. Wir sind DAS Volk, wir sind EIN Volk! Darum ging es uns damals. Wir sind eingetreten für Freiheit und Demokratie! Deutschland einig Vaterland. Wir waren erfolgreich und haben heute wirklich blühende Landschaften, wie sie einst Helmut Kohl für den Osten prophezeite.

Eine friedliche Revolution brachte die Mauer damals zu Fall. Dem vorausgegangen waren durch die DDR-Regierung, die Billigung der brutalen Niederschlagung der Studentenrebellion in China sowie Versuche, die massenhaften Fluchtversuche von DDR-Bürgern über Ungarn einzudämmen. Ich erinnere mich noch gut, als ich in der ersten Oktoberwoche 1989 in Leipzig war, die Friedensgebete und die Montagsdemonstrationen miterlebte und voller Angst die Soldaten, Kampfgruppen und Volkspolizisten mit Hunden auf LKW´s sitzen sah. Die Stimmung war sehr angespannt, aber es kam zu keinen massiven Auseinandersetzungen. Viele mutige Bürger haben es erreicht, dass die Diktatur des Proletariats  und des SED-Regimes  friedlich scheiterte.

Aber auch die andere Seite darf nicht vergessen werden. Hunderte von Menschen haben an der Mauer für den Kampf um Freiheit und Demokratie ihr Leben gelassen, darunter auch Kinder wie Jörg Hartmann und Lothar Schleusener, die an der Grenze in Treptow erschossen wurden. Die DDR war ein Unrechtsstaat, da können die Rechtsnachfolger der SED, „Die Linke“, monieren was sie wollen, sie werden an der Tatsache nichts ändern. Die DDR war ein Staat, der seine Bürger bespitzelte, der Bürger, die ausreisen wollten, an der Grenze erschoss, der Andersdenkende und deren Familien willkürlich wegsperrte, folterte und zersetzte, vor Zwangsadoptionen nicht zurückschreckte, ein Staat, in dem Wahlergebnisse gefälscht wurden und in dem Bildung ein Privileg der Bonzen und Arbeiterklasse war.

Es ist für mich unerträglich, dass noch immer ehemalige Stasimitarbeiter in der Stasiunterlagenbehörde arbeiten und sich erfolgreich gegen eine Versetzung wehren, es ist ebenso unerträglich, dass sich am Treptower Ehrenmal regelmäßig alte Seilschaften in alten Uniformen formieren, und es ist für mich unerträglich und unverständlich, dass demokratische Parteien sich zum Steigbügelhalter der Linken machen und somit dafür sorgen, dass diese erstmalig einen Ministerpräsidenten in Deutschland stellen. Ich hoffe sehr, dass dieses noch zu verhindern ist.

Vom 7. bis zum 9. November 2014 wird eine wunderbare Lichtinstallation mit 8000 weißen, leuchtenden Ballons entlang des Mauerstreifens an die 28 Jahre lang geteilte Stadt erinnern. Am 9. November 2014 wird dann diese „Lichtgrenze“ in den Himmel steigen. Mit tausenden anderen Ballonpaten werde ich an diesem Tag am ehemaligen Mauerstreifen stehen und um 19 Uhr einen der illuminierten Ballons in den Himmel steigen lassen. Einigkeit und Recht und Freiheit!

Herzliche Grüße

Ihre Katrin Vogel, MdA

www.katrinvogel.de 

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