Ich bin nicht Charly!

Betrachtungen des Vorsitzenden der Seniorenunion Treptow-Köpenick

Als zu Jahresbeginn in Paris vermummte Bewaffnete, muslimischen Glaubens, in die Redaktionssitzung der wöchentlich erscheinenden Zeitung „Charlie hebdo(madaire)“ gestürmt waren und dort über ein Dutzend Karikaturisten und Redakteure ums Leben brachten, da entfachen sie durch diesen ruchlosen Mord eine unvorstellbare Empörung in der Europäischen Union und darüber hinaus. Zu Recht, denn Mord bleibt Mord! Und sofort tauchte wieder – wie immer bei solchen unvermuteten Schadtaten – die Frage auf: „Wie konnte das nur geschehen?“

Oft gibt der Fragesteller auch gleich (s)eine Antwort und verweist – wie in diesem Fall – einerseits auf die übergroße Mehrheit der friedliebenden Menschen islamischen Glaubens und andererseits auf nur einige wenige Islamisten, die „sich radikalisierten“ und dann zu solchen Taten fähig sind. Sehr schnell habe ich auch die Fragen gelesen und gehört: „Wie wurden diese islamistischen Terroristen zu dem, was sie sind?“ „Wer hat sie so indoktriniert?“ Schnell gibt es auch darauf eine Antwort: „Haßprediger“, „Verführung“, „Chancenlosigkeit des Lebens“, „Ausgrenzung aus unserer europäischen Gesellschaft“, „jugendliche Sinnsuche“, usw. Das mag alles stimmen.
Was ich bisher aber nicht gehört und gelesen habe, ist das – meiner Meinung nach – eigentlich Naheliegendste: Radikale Islamisten entstehen nicht zuletzt durch die, in westlichen Ländern von einigen Personen und Zeitungen vollzogene öffentliche Verächtlichmachung und Beleidigung von Glauben und religiösen Werten, nicht nur unseres Christentums, in jüngster Zeit auch der Religion der islamischen Welt, die dort noch einen ganz anderen Stellenwert hat.
Ich bin für Rede- und Pressefreiheit, lange genug gab es Zeiten, wo viele Menschen sich danach sehnten und sogar mit Gefahr für Leib und Leben dafür stritten.
Ich plädiere aber für Zurückhaltung bei Äußerungen in Wort und Bild, wenn damit Gefühle und Glauben anderer Menschen auf Tiefste verletzt werden können! So wie ich als christlich geprägter Mensch die Herabwürdigung von Gott, von Jesus Christus, der Mutter Maria, des Papstes, als Beleidung meiner Empfindungen verstehe, so kann ich auch die Empfindungen eines gläubigen Moslems angesichts der Herabwürdigung von Allah und seines Propheten Mohammed verstehen. Müssen denn solche Persönlichkeiten, die von bis zu zwei Milliarden Moslems auf der Welt verehrt werden, in unserer westlichen Öffentlichkeit derartigen Karikaturen und Verunglimpfungen ausgesetzt sein? Öffentliche pornografische Darstellungen stehen bei uns unter Strafe, Verletzung von menschlichen (religiösen, auch politischen) Gefühlen durch abstoßende Darstellungen ihrer verehrten Idole in der Öffentlichkeit nicht! Welch ein Widersinn!
Dass bei den durch den Islam geprägten Menschen angesichts dessen auch blindwütige Rachegefühle entstehen, die in die Tat umgesetzt werden, liegt in der Tiefe der Verwurzelung der islamischen Religion im Wesen deren Völker. Fazit: Mohammed-Karikaturen sind a u c h Ursache für die Entstehung von islamistischem Terror! Deshalb bin ich gegen die Aussage des Chefredakteurs der französischen Zeitung „Libération“, der sofort nach dem Anschlag öffentlich sagte: „Nun erst recht. Noch provokativer!“ Nein! Das Gegenteilt wäre besser, um künftig weiteren Unfrieden zwischen Ländern muslimischen Glaubens und der westlichen Welt zu vermeiden.
Und von verantwortlicher EU-Seite und auch unserem Deutschland wünschte ich mir eine Entschuldigung gegenüber den Muslimen insgesamt und ein öffentliches Bedauern, dass ihre heiligsten Glaubensgefühle durch einige wenige Karikaturisten verletzt wurden und werden, denen die „Würde des (gläubigen) Menschen“ nichts wert ist. Eine solche Entschuldigung ist überfällig!  Was die Verächtlichmachung fremder und hiesiger Glaubensvorstellungen anbetrifft, bin ich nicht Charly!

Ulrich Stahr
Vorsitzender Seniorenunion Treptow-Köpenick

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