Im Nachgang der Terroranschläge auf „Charlie Hebdo“ im Januar in Paris kam es zu umfangreichen Diskussionen, wodurch der Hass der Terroristen denn entstanden sein könnte.

Während bei einem Mord aus Eifersucht oder Habgier kein Mensch auf die Idee käme, die Opfer für das Verbrechen verantwortlich zu machen und Verständnis für die Täter zu zeigen, gibt es für radikale Islamisten eine erstaunliche Nachsichtigkeit. „Charlie Hebdo“ habe schließlich religiöse Gefühle verletzt. Die demonstrative Aussage „Ich bin nicht Charlie“, wie wir sie als Überschrift im Januar-WiSO lesen konnten, zeugt davon.
Wer bitteschön glaubt allen Ernstes, dass all diejenigen, die „Ich bin Charlie“ sagen, schon immer Fans dieses Blattes waren und dass sie religiöse Anfeindungen lieben? Dieser Satz steht dafür, dass Meinungsfreiheit nicht mit Gewalt in die Knie gezwungen werden darf. Was soll es dann bedeuten, wenn jemand diesen Satz negiert? Meinungsäußerungen, und damit auch Karikaturen, gehören zum öffentlichen Leben einer freien Gesellschaft. Es gibt nur wenige Tabus wie z.B. Volksverhetzung, bei denen man die freie Meinungsäußerung einschränken darf. Es gibt aber keinen vernünftigen Grund, auf Meinungsäußerungen zu Missständen, die mit einer Religion zu tun haben, zu verzichten. Wo würde so eine Beschränkung denn überhaupt anfangen? Einige finden es schon schlimm, den Propheten Mohammed abzubilden, obwohl es im Koran nirgends ein Darstellungsverbot gibt. Dürfte man dann überhaupt über den Islam sprechen? Dürfte man erwähnen, dass ein Straftäter Muslim ist? Und was ist eigentlich eine Religion? Für den zurückgetretenen Papst Benedikt XVI ist z.B. die evangelische Kirche gar keine echte Religionsgemeinschaft. Ist er mit dieser Äußerung auch schon ein Hetzer? Das alles sollte man bedenken, bevor man sich dazu äußert. Wem Karikaturen nicht passen, der sollte sie sich einfach nicht anschauen.

Martin Hinz 

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