Schwarz-Grün - Eine Perspektive?

Gemeinsamer Stammtisch der Jungen Union Treptow-Köpenick, der CDU Altglienicke-Adlershof und der CDU Treptower Norden. Mittendrin ein bekannter Kommunalpolitiker von den Grünen. BVV-Vorsteher Peter Groos.

Es sei die erste CDU-Veranstaltung in Berlin, an der er teilnehme, sagte Peter Groos gleich zu Beginn der vom JU-Kreisverband initiierten Veranstaltung "Schwarz-Grün – Eine Perspektive?". Die JU kannte er in seiner Jugend nur „von der anderen Straßenseite“, so Groos lächelnd. Er sei aber gespannt und freue sich bereits auf die Gespräche. Gespannt waren auch die Zuhörer in der gut gefüllten Gaststätte Ebel in Altglienicke. Die Gelegenheit, zum fruchtbaren Dialog mit einem "echten Grünen" wollte man sich nicht entgehen lassen.

  1. Und dazu kam es auch. Gast Groos und seine Zuhörer lieferten sich einen freundlichen, aber bestimmten Meinungsaustausch, bei dem Gemeinsamkeiten entdeckt, Unterschiede bestätigt und einige Vorurteile abgebaut worden sein dürften. Die vom Chef der JU Treptow-Köpenick, Sascha Lawrenz, moderierte Veranstaltung könnte als Schablone dienen, wie Gespräche zwischen Grünen und Christdemokraten aussehen könnten: respektvoll und unideologisch.

Zugegeben: Peter Groos ist kein Fundamental-Grüner, wenngleich seine politische Karriere der eines Muster-Grünen gleicht. Geboren im – aktuell schwarz-grün regierten – Hessen, fand er über die Anti-Atomkraft-Bewegung in die Politik. In den Wendejahren zog es Groos nach Berlin-Neukölln, kurz darauf in den Osten der Stadt – nach Oberschöneweide. Seit 2006 ist der Grüne Bezirksverordneter, 2011 wurde er Vorsteher der Bezirksverordnetenversammlung (BVV).

Groos zählt sich selbst zum Realo-Flügel der Partei. Was das bedeutet, wurde den Zuhörern in Altglienicke schnell klar. Er lobte die Zusammenarbeit zwischen Bündnis `90/Die Grünen und CDU in der Zählgemeinschaft (zusammen mit der SPD) in der BVV Treptow-Köpenick, sieht seine Partei im bürgerlichen Milieu beheimatet und haderte mit der „sehr linken“ Ausrichtung des Grünen Landesverbandes Berlin. Dass man in der Bevölkerung oft als „Verbotspartei“ verspottet werde, sei zwar unerfreulich, „damit muss man aber in einer so pluralen Partei leben“, so Groos. Auch er wünsche sich manchmal, dass man es mit der Pflege des linken Parteiflügels nicht allzu sehr übertreibt.

Einer Öffnung seiner Partei Richtung CDU hält Groos für begrüßenswert. „Ich sehe keinen Grund dafür, die SPD zu hofieren“, so Groos. Berührungspunkte zwischen Grünen und Christdemokraten gebe es selbst in Berlin zur Genüge. Schnittmengen sahen Groos und seine Zuhörer etwa beim Umgang mit Haushaltsmitteln und in der Begegnung der Wohnraumproblematik. Auch in der Frage der Unterbringung von Flüchtlingen sieht Groos Grüne und Konservative nicht so weit auseinander, wie man vermuten könnte. Die Haltung seiner Parteifreunde in Friedrichshain-Kreuzberg sei im Landesverband hochumstritten.

Nichtsdestotrotz klaffen - das wurde im Laufe des Abends auch deutlich - zwischen beiden Parteien noch erhebliche Lücken, beispielsweise in der Verkehrspolitik oder der inneren Sicherheit. Daher glaubt Groos, dass eine schwarz-grüne Koalition erst bei der übernächsten Abgeordnetenhaus-Wahl in den Bereich des Möglichen rückt. Bis dahin müsse aber noch an der einen oder anderen Stellschraube gedreht werden.

Bei aller Verschiedenheit - hier waren sich die Gesprächsteilnehmer wieder einig.

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