70 Jahre Frieden

Der Ehrenvorsitzende hat das Wort

Am 8. Mai 1945 ging der fürchterliche Weltkrieg zu Ende, für dessen Ausbruch Deutschland die Hauptverantwortung trug. Millionen Menschen waren ums Leben gekommen. Viele Städte in Deutschland und in den überfallenen Ländern waren zerstört. Ein unermessliches Leid war über Europa gekommen. Der Größenwahn der Nationalsozialisten, vor allem aber auch noch der Rassenwahn, hat ein tiefes Trauma in den betroffenen Ländern hinterlassen. Kriege sind so alt wie die Menschheit selbst. Aber so einen Wahnsinn wie ihn die Faschisten angezettelt haben, hatte es noch nie gegeben.

Überall wurde in den letzten Monaten der 70-jährigen Befreiung der Konzentrationslager gedacht. Alle auf dem Gebiet der ehemaligen DDR und des schlimmsten Vernichtungslagers in Auschwitz habe ich schon in den 60er und 70er Jahren besucht. 1970 war ich mit meiner Frau und dem Sohn polnischer Freunde in Auschwitz. Tiefe Erschütterung hat uns beim Anblick der fabrikmäßigen Vernichtungsanlage in Auschwitz und Birkenau ergriffen. Wie konnte ein Kulturvolk wie die Deutschen so eine Schande anrichten? Es geht mir so wie Joachim Gauck, unserem Bundespräsidenten, der seine Gefühle über die deutsche Vergangenheit für sich beschrieben hat. Alles Denken und Fühlen bleibt immer mit dem Blick auf diese fürchterliche Zeit für unsere Generation verbunden.
Deutschland in der Mitte Europas als einwohnerstärkstes Land hat eine besondere Verantwortung in der Europäischen Union, auch wegen seiner Vergangenheit im vorigen Jahrhundert. Wir müssen Zukunft gestalten indem wir Europa dienen. Friedenssicherung um jeden Preis ist unsere Aufgabe. Kein Land hat sich aber bisher so intensiv mit seiner Vergangenheit auseinandergesetzt wie Deutschland. Das findet weltweit Anerkennung.

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Mai.
Fritz Niedergesäß   

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