Sehnsuchtsort Deutschland

Ein Kommentar von unserem Ehrenvorsitzenden

Eigentlich sollten wir uns alle freuen, dass so viele Menschen aus den Krisengebieten nach Deutschland kommen wollen. Hier finden sie Sicherheit, Wohlstand und Demokratie vor. Nach den Verwerfungen des letzten Jahrhunderts eine wohltuende Feststellung. 

Es ist gerade 70 Jahre her, als wir den Flüchtlingstreck von Osten nach Westen als Kinder erlebten. Meine Familie wohnt an der B 87, früher Reichsstraße 87, die tief aus dem Schlesischen über Frankfurt/Oder, Lübben, Luckau, Torgau bis nach Weimar führt. Mit Kinderwagen, Handwagen, Pferdewagen und viele einfach zu Fuß kamen die Deutschen in den Monaten März, April, Mai 1945 auf der Flucht bei uns an und zogen dann weiter gen Westen. Viele übernachteten in den Dörfern. Wir hatten ein Sägewerk und in den Hallen hat unsere Mutter jeden Abend Familien mit ihren Kindern einsortiert, damit sie wenigstens in der Nacht einen trockenen Platz hatten. Das Elend war unbeschreiblich. Dann kamen am 22. April die Russen als Befreier, mit denen die Nationalsozialisten zusammen den Feldzug nach Polen im September 1939  begonnen und nach dem Sieg über Polen gemeinsam gefeiert haben.

Am 8. Mai 1945 hatte der Spuk erst einmal ein Ende. Jetzt kamen auf unserer R 87 von West nach Ost ganz andere Menschengruppen. Die hatten alle die gleichen gestreiften Anzüge an und schleppten sich mühsam vorwärts. Das KZ Buchenwald war durch die Amerikaner befreit worden und nun machten sich Polen, Russen und andere ehemaligen Gefangene auf in Richtung Heimat. Da fuhr kein Zug oder Bus die fast verhungerten Menschen nach Hause. Die Not und das Elend war nicht zu überbieten. Die Bürger unterstützten diese geschundenen Menschen mit Verpflegung und Medikamenten so gut sie konnten.

Wir können sicher nicht alle Flüchtlinge aus dem Nahen Osten oder Afrika in Deutschland aufnehmen und auf Dauer integrieren. Da ist die Europäische Union insgesamt gefordert. Als das stabilste und größte Land der EU haben wir aber auch die größte Verantwortung für die aus den Kriegsgebieten gerade mit dem Leben davongekommenen Kinder, Frauen und Männer. Wenn ich dann im Fernsehen die Bilder der Chaoten sehe, die die Flüchtlingsheime stürmen wollen, packt mich die Wut und ich habe wieder die Flüchtlinge auf der R 87 vor Augen.

Setzen wir uns mit aller Kraft für die Menschen ein, die aus den Kriegsgebieten kommen und mit ihren Familien eine neue Heimat suchen.

Das sind wir als Europäer den Menschen schuldig.

Fritz Niedergesäß

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