Der Bezirksstadtrat hat das Wort

Liebe Mitglieder und Freunde der CDU Treptow-Köpenick,
viel Positives gibt es aus dem April zu berichten. So haben wir die Jugendverkehrsschule unter neuem Träger wieder ordentlich am Laufen, die zwei ersten Lese Clubs und die Schulbibliothek der Friedrichshagener Grundschule eröffnet und es gab einige wirklich bemerkenswerte Kultur und Sportveranstaltungen im Bezirk.

Kritik erntete ich durch die Fotoausstellung im Rathaus Köpenick und das Abhängen zweier Fotos, welches die Medien zum Anlass nahmen, mir die größte Aufmerksamkeit seit Amtsantritt zu teil werden zu lassen. Ich möchte hier über die Hintergründe die zu dieser Entscheidung führten informieren:

Als erstes möchte ich noch einmal in den Vordergrund stellen, dass es sich beim Rathaus Köpenick um ein Dienstgebäude des Bezirkes handelt und nicht um eine Galerie. Es ist zu begrüßen, dass die sonst tristen Flure des Rathauses auch dazu genutzt werden um Ausstellungen zu zeigen, diese müssen dann aber auch zum Ausstellungsort passen.

Bereits im Jahre 2010 kam es im Zusammenhang mit einer Ausstellung im Rathaus Köpenick wegen der dort ausgestellten Aktfotografien zu erheblichen Verwerfungen und öffentlichem Unmut. Demzufolge wurde ein Ausstellungsangebot aus dem Jahr 2014, welches auch Aktfotografien enthielt, durch das Bezirksamt besonders geprüft. Dabei wurden sowohl die Gleichstellungsbeauftragte als auch die Frauenvertreterin des Bezirksamtes einbezogen. Im Ergebnis wurde der Tatsache, dass das Rathaus ein öffentliches Dienstgebäude ist, Vorrang gegeben.

Das Rathaus wird von den Bürgerinnen und Bürgern in erster Linie wegen der Erledigung von Amtsgeschäften aufgesucht, aber nur selten gezielt zum Besuch einer Ausstellung, ganz unabhängig davon, dass auch viele Menschen mit Migrationshintergrund in das Rathaus kommen. Bürgerinnen und Bürger müssen als Kunden dieses Rathaus aufsuchen, wenn sie z. B. zum Schulamt oder der regionalen Schulaufsicht wollen, ein Aufgebot beim Standesamt bestellen, zur Erlangung einer Baugenehmigung und vieles mehr. Es gibt keine anderen Dienststellen für diese Vorgänge. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachämter müssen tagtäglich durch diese Flure, ob es ihnen gefällt oder nicht. In eine Galerie kann ich gehen, kann es aber auch lassen wenn mir das Ausstellungsthema nicht gefällt.

Eine Möglichkeit, Aktbilder in einem separaten Raum auszustellen, ist im Rathaus Köpenick leider nicht vorhanden. Die Rahmenbedingungen für die Ausstellung von Aktdarstellungen sind damit im Rathaus also nicht gegeben.

Dies gilt seither als Maßgabe des Hauses. Leider wurde das bei der Vorbereitung der aktuellen Ausstellung FOTO KLUB FORUM BERLIN nicht berücksichtigt und es liegen Beschwerden von (deutschen) Mitarbeiterinnen und Besucherinnen vor. Darin wird die Darstellung nackter Frauenkörper in öffentlichen Wartebereichen als sehr unpassend sowie diskriminierend bezeichnet. Natürlich war eine Diskriminierung der Frau oder Unterwanderung der Gleichberechtigung der Geschlechter durch die Ausstellungsmacher keinesfalls intendiert und ich halte es auch für sehr bedauerlich, dass eine solche Wirkung entstanden ist.

Soviel zur Erklärung der Sachlage‎. Die Ausstellung endete planmäßig am 29. April. Es erschreckt mich sehr, wenn ich feststelle, dass von all den Begründungen die wir immer wieder anführen, nur der Beisatz der Berücksichtigung religiöser Gefühle von Kundinnen und Kunden mit Migrationshintergrund in den Medien zitiert und kritisiert wird. In einigen Beschwerden die mich erreichten, wurde auch Artikel V des Grundgesetzes angeführt. Man rufe sich aber dann auch den Artikel I des Grundgesetzes vor Augen - „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Das gilt auch für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie Kundinnen und Kunden des Bezirksamtes Treptow-Köpenick.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr / Euer Michael Vogel
Bezirksstadtrat
 

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