Wenn nichts mehr geht – be Berlin!

Ein Zwischenruf

Seit Jahren kommt keine Comedy-Sendung mehr ohne einen Seitenhieb auf den BER aus. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Aber der Berliner lacht nicht, es ist ihm schnuppe. Auch die Zustände vor und im LaGeSo waren ihm mehr oder weniger schnuppe. Die Probleme der Bürgerämter findet jedoch keiner gut, der einen Reisepass oder Personalausweis oder eine Verlängerung braucht. Wer umzieht, ist genervt. Wer sein Auto ummelden will, muss Ähnliches erleiden. Der sich anbahnende Höhepunkt wird die eventuelle Verschiebung der Abgeordnetenhauswahl sein. Softwareprobleme sollen es sein und Abstimmungsprobleme zwischen Senat und den Bezirken. Wieder einmal will keiner zuständig und damit verantwortlich sein. 

An Zuständigkeiten scheitert vieles in Berlin. Beamte und Juristen lernen vom ersten Tag an, dass man sich um eine Sache nur und erst kümmert, wenn man zuständig ist. Und zwar sachlich, örtlich und instanziell. Auf gut Deutsch prüfen Richter und Beamte: Warum liegt die Akte auf meinem Tisch, kann die nicht woanders liegen? Solche Verhaltensweisen findet man auch in größeren Unternehmen. Dort heißt es Teamarbeit und Team ist die Abkürzung für: Toll, ein anderer machts!
Aber Spaß beiseite: Eine Verschiebung der Abgeordnetenhauswahl würde das Ansehen von Senat und Verwaltung erneut beschädigen und der Politikverdrossenheit Vorschub leisten. Ein Glücksfall für die Comedy. Ich kann mir schon die Beiträge vorstellen: „In Berlin wurde jetzt auf höchster Ebene eine Arbeitsgruppe gebildet, die den gemeinsamen Termin für Flughafeneröffnung und Abgeordnetenhauswahl koordinieren soll.“
Was passiert eigentlich, wenn die Wahl verschoben wird? Bleibt dann die Große Koalition geschäftsführend im Amt? Und wie lange? GroKo forever? Dem Berliner ist es bestimmt schnuppe. Er lebt nach dem Motto des BVG-Hits „is mir egal“, auch wenn nichts mehr geht. Und das könnte ja ein Berliner Markenzeichen werden.

Wenn nichts mehr geht – be Berlin!
Dr. Ulrich Zacharias

Inhaltsverzeichnis
Nach oben