Das „schöne Geschlecht“ – schafft es sich selbst ab?

 Sein Vater Eugen Gomringer war Schweizer Bürger, seine Mutter Delicia Rodríguez stammte aus Bolivien, ihr Sohn, Eugen Gomringer junior, am 20. Januar 1925 geboren und in Rehau/Bayern zu Hause, wurde ein weltweit geschätzter und vielerorts ausgezeichneter Lyriker, der die konkrete poesie begründete.

1951 besuchte er Spanien und kam auch nach Barcelona, der zweitgrößten Stadt dieses Landes. Dort begeisterte ihn vieles, besonders die weithin berühmte Promenade, Las Ramblas, eine breite baumbestandene Allee, die vom Zentrum zum Hafen führt und tagsüber und nächtelang voll quirligen Lebens ist, mit Blumenverkäufern, Zeitungskiosken, Akrobaten, Straßenmusikanten, Café- und Restaurantbesuchern, Touristen aus aller Welt und vielem mehr. Der junge Mann war von allem begeistert. Eines Tages setzte er sich dort an ein Tischchen vor einer cafetería, bestellte einen café cortado (Espresso mit einem Schuss heißer Milch) und begann, beeindruckt vom Leben und Treiben vor ihm, zu schreiben:

 

avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador

Dieses Gedicht erhielt im Jahr 2011 den Alice-Salomon-Poetik-Preis der gleichnamigen Hochschule (ASH) in Berlin-Hellersdorf und wurde in großen spanischen Lettern auf der seitlichen Hausfassade angebracht. 2016 aber traten Kritikerinnen auf, die das Gedicht als „Herabwürdigung von Frauen zu Objekten männlicher Bewunderung“ ansahen und beseitigt haben wollten. 2017 beschloss der Akademische Senat der Hochschule, dem Anliegen zu folgen.

Ich schüttle nur den Kopf! Darf man nicht mehr Natur und Frauen bewundern? Was ist an diesen sechs Worten frauenfeindlich? Wodurch werden Frauen herabgesetzt? Seitdem es Poesie gibt, wird dem „schönen Geschlecht“ gehuldigt. Und das ist auch gut so! An der ASH werden u. a. Kinderpädagogen und Sozialarbeiter ausgebildet. Armes Deutschland, wenn die in ihren künftigen Berufsfeldern auf diese Art und Weise „wüten können“! Ich gratuliere Eugen Gomringer junior zu diesem schönen Gedicht und kann Kritik daran und die Handlungsweise von Studierendenausschuss (AStA), Frauenbeauftragter und Hochschulleitung dagegen nicht verstehen. Hoffentlich macht solche Unvernunft, in Gedichten, die Frauen bewundern, sexuelle Diskriminierung zu sehen, nicht Schule! 

Ulrich Stahr
Kreisvorsitzender Senioren Union

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